Die Brücke der Toten – Kapitel 17

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Mein Kopf schmerzt und ich bin froh, dass ich nicht tot bin. Langsam öffne ich meine Augen und stelle fest, dass ich unter der Brücke bin, wo wir so viele Tote Menschen gefunden haben. Neben mir liegt ein Messer und einige Meter weiter eine Leiche mit einer Stichwunde. Jetzt bin ich wach. Ich gehe rüber und stelle fest, dass der Tote Herr Otto ist. Beunruhigend finde ich nur die Tatsache, dass er eine Stichwunde hat und das Messer neben mir lag. Ein panisches Gefühl überkommt mich und ich ertappe mich bei dem Gedanken, einfach wegzulaufen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich Herrn Otto nicht umgebracht habe, werden meine Fingerabdrücke auf dem Messer sein. Vieleicht sollte ich wenigstens das Messer verschwinden lassen. Zu spät, ich sehe schon Blaulichter auf mich zukommen. Die Kollegen erkennen mich und sind unentschlossen. Ich mache es Ihnen leicht und erzähle das, was ich noch weiß. Mein Blick fällt auf einen Kollegen, der soeben dabei ist, das Messer einzutüten. Immer wieder sage ich mir, dass ich nichts zu befürchten habe. Der Kollege, der mich zu Herrn Otto begleitet hat, kann es ja bezeugen.
Ich bin erleichtert, als ich das Auto von Thomas sehe. Er kommt auf mich zu und ich erzähle ihm schnell alle Einzelheiten, bevor ich in einen Streifenwagen verfrachtet werde. Die Kollegen haben keine Wahl und ich bin ihnen auch nicht böse. Wir fahren los und ich weiß, was jetzt kommt. Ich werde verhört und darf erst mal nicht arbeiten. Das Verhör führt der Chef persönlich und an seiner Seite sitzt ein Kollege von der Inneren. Die Tür geht auf und ein Mann reicht dem Chef ein Papier. Wie ich erwartet habe, waren meine Fingerabdrücke auf dem Messer und es ist die Tatwaffe. Noch bin ich nur geringfügig beunruhigt. Dann fragt mich der Kollege von der Inneren, wo ich den Kollegen gelassen habe. Sofort ist mein Kopf leer und ich bin geschockt. Er erklärt mir, dass kein Fahrzeug mit dem Kollegen gefunden wurde. An der Stelle, die ich als die Stelle meiner Entführung angegeben habe, wurde weder ein Fahrzeug, noch der Kollege gefunden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Entführung überhaupt stattgefunden hat. Die kleine Beule auf meinem Kopf lässt er nicht als Beweis gelten. Jetzt kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen und werde wütend. Mein Chef mahnt mich, mich wieder zu beruhigen, aber warum sollte ich das tun. Die glauben ja, dass ich Herrn Otto umgebracht habe. Mit was für Leuten habe ich mich da angelegt. Mein ganzes Leben wurde in ein Chaos gestürzt und ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich noch glauben kann. Die manipulieren Beweise und ziehen mich aus dem Verkehr. Hat dieser Dr. Ritter da seine Finger im Spiel? Wahrscheinlich ist die falsche Nachbarin seine Auftragskillerin. Die Geschichte ist so wahnwitzig, dass mir der Kollege von der Inneren keinen Glauben schenkt. Mein Chef ist machtlos und der Kollege von der Inneren legt mir Handschellen an. Auf dem Gang starren mich alle an und auch Thomas ist da und blickt traurig drein. Die haben es geschafft, mich zu isolieren. All meine Bitten, mich nicht wie eine Verbrecherin zu behandeln, verpuffen. Der von der Inneren ist knallhart und kennt keine Gnade. Er bringt mich zu seinem Auto, was mich etwas irritiert. Das Vorgehen ist nicht richtig und mein Bauch meldet sich. Als wir losfahren, sagt er mir, dass ich mir keine Sorgen machen soll. Jetzt verstehe ich nichts mehr. Ist der Fahrer überhaupt ein echter Kollege? Es wäre ein Leichtes, da sich keiner die von der Inneren genauer anschauen will. Wir halten an und die hintere Tür auf der anderen Seite öffnet sich. Ich glaub es nicht, der Vater von Thomas steigt zu und befreit mich von meinen Handschellen. Ich rege mich fürchterlich auf, dass ich nun als Flüchtiger in einem Mordfall gelte und was ihm überhaupt einfällt. Er wartet, bis mein Wutanfall, der meine Gedanken blockiert hat, wieder vorbei ist. Dann meint er, dass es so sicherer für mich ist. Ich weiß nicht, ob ich ihm das so glauben kann. Wir sind schon aus der Stadt raus und auf meine Frage, wohin es nun geht, bekomme ich keine klare Antwort. Das beunruhigt mich und mein Bauchgefühl rebelliert. Ich bin erstmal machtlos und schmolle. Mein Blick ist leer und ich achte nicht auf die Strecke. Wir fahren durch ein Waldstück, biegen in einen Feldweg ein. Am Ende des Weges taucht eine Art Herrensitz auf. Ich frage, wo wir hier sind und bekomme nur die Antwort, dass ich nun in Sicherheit bin. Meine Gedanken kreisen um die vergangenen Stunden. Wir halten, er steigt aus und bittet mich ebenfalls auszusteigen. Mir ist mal heiß und dann wieder kalt. Der Kopf ist voll und gleich wieder leer. In mir tobt ein Kampf. Nervös folge ich dem Vater von Thomas. Er öffnet die Tür des Hauses und bittet mich herein. Ich lasse meinen Blick durch die Räume schweifen, an denen wir vorbeigehen. Keiner dieser Räume sieht bewohnt aus. Überall liegen Holzlatten herum und es ist dreckig. Steht das Haus leer? Wir kommen an eine Tür und halten an. Der Vater von Thomas meint, ich solle einfach hineingehen, dann verabschiedet er sich. Jetzt bin ich neugierig und verwirrt. Wenn ich vorher schon Probleme hatte, alles in Einklang zu bringen, so liegt es nun wieder in Einzelteilen in meinem Kopf.
Ich zögere kurz, und öffne die Tür. Dieser Raum ist definit nicht leer. Er ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Alte Bilder hängen an den Wänden, antik wirkende Schränke glänzen an den Wänden, der Teppich ist bestimmt sehr teuer gewesen und ich blicke auf einen Schreibtisch, der doppelt so groß ist, wie meiner. Es duftet sehr angenehm, nach frischen Blumen. Nur kann ich nirgends welche entdecken. Der Chefsessel hinter dem Schreibtisch ist mit der Rückenlehne zu mir gedreht. Ich höre eine Stimme, die mir bekannt vorkommt, sagen, dass ich ruhig eintreten soll. Mit aller gebotenen Vorsicht, nähere ich mich dem Schreibtisch. Dann dreht sich der Mann auf der anderen Seite des Schreibtischs um, und ich blicke in die Augen von Herrn Dr. Ritter. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich frage dementsprechend überrascht, was hier gespielt wird und warum ich hier bin. Er fordert mich auf, mich erst mal zu setzen. Ich bin noch so perplex, dass ich ohne Worte, wie ein kleines Kind, der Anweisung Folge leiste. Ich suche instinktiv nach einem Ausweg aus dieser Situation. Dann beginnt Herr Dr. Ritter zu erzählen und ich höre aufmerksam zu. Die Frage nach den Morden wiegelt er ab. Er beharrt darauf, dass der Geheimbund nichts damit zu tun hat. Er gibt also zu, dass er ein Mitglied des ominösen Geheimbundes ist. Nur beruhigt mich das nicht wirklich. Dann traue ich meinen Ohren nicht und erkenne, dass ich die ganze Zeit etwas Wichtiges übersehen habe. Die Katze gehörte vorher dem Vater von Thomas, der auch zu diesem Bund gehörte, und wurde gestohlen. Der junge Mann hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Er betont, dass ihn der Geheimbund nicht töten ließ, sondern eine Organisation namens „Schwarzer Kreis“, die dem Geheimbund schaden will. Es scheint viel auf dem Spiel zu stehen. Gehört die falsche Nachbarin zu dieser Organisation und spielt ein doppeltes Spiel? War Toni nur ein Lockvogel für mich, von langer Hand eingefädelt? Das erschließt sich mir noch nicht. Ich scheine also gar nicht das Ziel des Geheimbundes zu sein, sondern habe nur den Fehler begangen, die Katze zu mir zu nehmen. Birgt Daisy noch ein Geheimnis, welches ich noch nicht kenne? Vor der Tür höre ich es miauen und ich springe auf. Die Tür öffnet sich, und der Vater von Thomas kommt mit Daisy auf dem Arm, in den Raum. Warum bringt er die Katze hierher? Meine Synapsen beginnen zu glühen, so viele Informationen und Gedanken schießen dadurch. Er meint, die Katze ist bei Thomas nicht mehr sicher. Ich frage mich, ob Thomas das auch weiß und ob er in der Geschichte mit drin steckt. Sein Vater beruhigt mich und versichert mir, dass sein Sohn keine Ahnung hat. Das soll auch so bleiben. Herr Dr. Ritter fährt fort und bittet mich, dass ich mich wieder setze. Ich frage mich immer wieder, was Daisy für ein Geheimnis birgt. Er holt ein Gerät aus der Schublade seines Schreibtischs und geht damit zu Daisy. Er scheint die Tätowierung abzuscannen, soweit ich das erkennen kann. Hinter dem Code des Geheimbundes scheint sich noch mehr zu verbergen. Herr Dr. Ritter erklärt mir, dass es sich um einen Code handelt, der einzigartig ist, und seit Generationen den Vorfahren von Daisy eintätowiert wurde. Jetzt werde ich noch neugieriger und will nun wissen, wozu dieser Code benötigt wird. Herr Dr. Ritter geht zu einem Schrank und bittet mich, zu ihm zu kommen. Der Tresor muss genauso antik sein, wie die Möbel hier. Er steckt einen Schlüssel in das Schloss und öffnet die Tür. Im Inneren befindet sich ein Buch, wenn man es denn so nennen kann. Dieses Buch muss wohl sehr wichtige Informationen enthalten. Er erzählt mir, dass in diesem Buch Geheimnisse stehen, die so brisant sind, dass es nicht in die falschen Hände kommen darf. Ich frage, warum man es nicht einfach vernichtet. Wie er mir erklärt, geht das nicht, da es auch als Druckmittel dient. Jetzt verstehe ich zwar gar nichts mehr, aber ich nicke verständnisvoll. Herr Dr. Ritter zieht sich weiße Baumwollhandschuhe an und öffnet das Buch. Er sucht eine ganz bestimmte Seite aus und zeigt sie mir. Da stehen nur zusammenhanglose Zeichen. Dann scannt er die Seite mit seinem Gerät. Auf dem Bildschirm tauchen plötzlich ganze Sätze auf. Die Tätowierung muss der Code zum Entschlüsseln sein. Nur warum zeigt er mir das? Er deutet auf einen Namen und ich werde blass. Da steht der Name meiner Mutter. Dann schließt er das Buch wieder in den Tresor ein. Die Anzeige auf dem Gerät ist wieder leer. Ich habe jetzt noch mehr Fragen. Ich setze mich wieder auf den Stuhl. Was bitteschön hat meine Mutter mit dem Geheimbund zu tun? Ich erfahre von Herrn Dr. Ritter in diesem Moment Dinge über meine Mutter, die mich zweifeln lassen, ob ich sie jemals gekannt habe. Er teilt mir mit, dass meine Mutter leider keinen natürlichen Tod gestorben ist. Sie wurde vergiftet, da sie Informationen besaß, die für mächtige Menschen sehr gefährlich gewesen sind. Sie wurde seinerzeit von einem Weggefährten tot aufgefunden und zwar an der Stelle, an dem heute die Brücke steht. Wenn ich jetzt nicht sitzen würde, wäre ich umgefallen. Das sind Geschichten, die ich nicht glauben kann oder will. Meine Mutter war Mitglied des Geheimbunds? Die Organisation will diese Informationen. Das Gerücht existiert, dass ich etwas von meiner Mutter habe, worauf sie diese Informationen versteckt hat. Mir wird mulmig zu Mute und ich frage, ob irgendwer hier eine Tafel Schokolade hat. Warum ich das frage, weiß ich nicht. Es geht aber auch keiner der Anwesenden darauf ein.
Da fällt mir siedend heiß ein, dass ich immer noch wegen des Mordes an Herrn Otto gesucht werde. Herr Dr. Ritter lächelt und will mich beruhigen. Das kommt schon wieder in Ordnung, sagt er. Ich kann das nicht glauben und springe von meinem Stuhl auf. Fast alle Kollegen denken nun, dass ich eine Mörderin auf der Flucht bin. In mir beginnt es zu brodeln und gleich explodiere ich.
Wer hat denn jetzt Herrn Otto umgebracht? Herr Dr. Ritter erklärt mir, dass die falsche Nachbarin sich in die Reihen des Geheimbundes eingeschlichen hat, um an das Buch und die Katze zu kommen. In Wahrheit ist sie eine skrupellose Auftragskillerin in den Diensten jener Organisation. Jeder, der sich ihr in den Weg stellt, wird von ihr aus dem Weg geräumt. Hat diese Frau all die Morde begangen? Dann wird sie keine Ruhe geben, solange sie nicht hat, was sie will. Die Organisation, für die sie arbeitet, besteht aus vielen mächtigen Menschen. Darunter sind hochrangige Politiker und Beamte. Keiner weiß genau, wer alles in deren Diensten steht. Über diese Information staune ich nicht schlecht. Mir wurde soeben der Boden unter den Füßen weggezogen. Das System, an das ich immer fest geglaubt habe, existiert gar nicht.
Ich überlege immer noch, was ich von meiner Mutter in meinem Besitz habe, das so wichtig ist. Weiter komme ich nicht. Draußen fallen Schüsse und Herr Dr. Ritter wird unruhig. Er greift in seine Schreibtischschublade und gibt mir eine Pistole. Dann schnappt er sich das Gerät zum Scannen und verlässt den Raum. Ich sehe weder den Vater von Thomas, noch die Katze. Hoffentlich sind sie in Sicherheit. Ich schaue aus dem Fenster und blicke direkt in die Augen der Auftragskillerin. Sie hat mich gesehen, also ist es angezeigt, schnell zu verschwinden. Das Haus ist extrem groß und hat sehr viele Räume. Ich werde in das Dachgeschoss gehen und mich auf das Dach zu flüchten. Eilig verlasse ich den Raum und umklammere die Pistole. Die Tür oben ist verschlossen und ich höre Schritte, die immer näher kommen. Die Tür will sich einfach nicht öffnen lassen und ich sitze in der Falle. Schnell wechsele ich meine Position und rücke wieder näher zu der Treppe vor. An die Wand gepresst, hocke ich mit der Waffe im Anschlag und lausche den Schritten, die immer langsamer und bedächtiger werden. Ich hole einige Male tief Luft und schnelle hinter meiner Ecke hervor und ziele direkt auf die Auftragskillerin. Nun stehen wir uns Auge in Auge gegenüber, die Waffen aufeinander gerichtet und keiner bewegt sich. Sie sagt, dass sie mir nichts tun will, was ich ihr natürlich nicht glaube. Sie wolle nur die Informationen meiner Mutter. Jeglicher Versuch ihr zu erklären, dass ich keine Ahnung habe, wovon sie spricht, macht sie noch entschlossener. Ihr Blick ist genau auf mich gerichtet und ich fixiere ihren Finger, der am Abzug ruht. Für einen kurzen Moment glaube ich zu sehen, dass er sich bewegt und ich drücke ab. Sie sackt in sich zusammen und Blut läuft auf den Boden. Vorsichtig bewege ich mich auf sie zu. Soweit ich das sehen kann, atmet sie nicht mehr und die Menge Blut spricht dafür, dass sie tot ist. Ihre Waffe kicke ich mit meinem linken Fuß weg und dann taste ich am Hals ihren Puls. Sie ist wirklich tot. Erleichtert richte ich mich auf und gehe die Treppe nach unten. Es scheint keine Menschenseele mehr im Haus zu sein. Ich gehe zurück in den Raum und sehe den Tresor, der offen steht. Das Buch ist weg und von Herrn Dr. Ritter fehlt jede Spur.
Ich verlasse das Haus und setze mich auf die Treppen des Eingangsbereichs. In der Ferne höre ich die Martinshörner der Kollegen. Wer sie gerufen hat weiß ich nicht, aber ich bin froh, dass sie kommen. Bewusst lege ich die Pistole gut sichtbar weit weg von mir und warte auf das Eintreffen. Die Kollegen kommen auf mich zu, immer ihre Pistolen im Anschlag. Dann bekomme ich Handschellen verpasst. Ich beschreibe ihnen, wo sie die eigentliche Täterin finden. Während ich zum Auto gebracht werde, machen sich vier Kollegen auf den Weg ins Haus. Ich werde mit dem Auto zum Gefängnis gefahren, da ein Haftbefehl gegen mich vorliegt. Die Ereignisse haben mich so geschlaucht, dass ich nicht einmal protestiere.

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